familienalbum.karlsruhe im Badischen Staatstheater: Erinnerung wird zur Bühnenkunst


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familienalbum.karlsruhe: Ein bewegendes Erinnerungsalbum auf der Bühne
Ein Familienleben, das von heute aus wie eine Fotografie erscheint und sich doch mit erschütternder Klarheit entfaltet: In familienalbum.karlsruhe erzählt das Junge Staatstheater die Geschichte der jüdischen Familie Fuchs im Karlsruhe des Jahres 1934. Lisa Sommerfeldts Auftragswerk verbindet historische Recherche mit unmittelbarer Theaterkunst und führt das Publikum mitten hinein in eine Zeit, in der Ausgrenzung, Antisemitismus und Flucht den Alltag bestimmen.
Eine Familie zwischen Alltag und Verfolgung
Soni lebt mit ihrer Schwester und ihren Eltern in der Kriegsstraße 120. Sie hat Freundinnen und Freunde, spielt Fußball und kennt die vertrauten Räume ihrer Kindheit. Doch die politische Wirklichkeit dringt unaufhaltsam in dieses Familienalbum ein. Die Nationalsozialisten sind seit einem Jahr an der Macht, jüdische Menschen werden zum Feindbild erklärt. Auch Sonis Vater Richard Fuchs, ein angesehener Architekt und Komponist, findet keinen Schutz in seiner gesellschaftlichen Stellung.
Die Inszenierung folgt dem Weg der Familie von Karlsruhe nach Neuseeland und zeigt, wie historische Gewalt über Grenzen hinweg nachwirkt. Das Private wird zum Brennglas einer Epoche: Ein Kinderleben, Familienerinnerungen und politische Geschichte verschränken sich zu einer eindringlichen Bühnenhandlung.
Historische Recherche als lebendige Dramaturgie
Lisa Sommerfeldt entwickelte das Stück auf Grundlage von Tagebuch- und Archiveinträgen, Fotografien sowie Gesprächen mit Angehörigen. Diese dokumentarische Basis verleiht der Dramaturgie eine besondere Nähe. Aus überlieferten Spuren entsteht kein fernes Geschichtskapitel, sondern ein Bühnenerlebnis, das konkrete Orte, Stimmen und Erinnerungen in die Gegenwart holt.
Regisseur Kevin Barz verantwortet neben der Regie auch das Bühnenkonzept. Gemeinsam mit Frieder Gätjen, der für Video und Medientechnik zeichnet, entsteht eine Inszenierung, in der visuelle Ebenen und Schauspielkunst ineinandergreifen. Kostüme von Gloria Müller, die Musik von Paul Brody und die dramaturgische Arbeit von Anna-Teresa Schmidt formen eine Theateratmosphäre zwischen familiärer Wärme und wachsender Bedrohung.
Licht, Klang und die Spuren der Erinnerung
Das Bühnenbild öffnet einen Erinnerungsraum, in dem sich Vergangenheit nicht museal, sondern gegenwärtig anfühlt. Fotografische Bilder, mediale Projektionen und musikalische Akzente geben dem Geschehen eine zusätzliche Tiefe. Die Akustik wird dabei zum emotionalen Resonanzraum: Vertraute Alltagsmomente stehen neben den Geräuschen von Bombenalarm und Explosionen.
Die Inszenierung richtet sich an Menschen ab zwölf Jahren und begegnet ihrem Publikum mit großer Ernsthaftigkeit. Sie spricht über Antisemitismus, Flucht und seelische Gewalt, ohne historische Zusammenhänge zu vereinfachen. Gerade diese Verbindung aus fachlicher Recherche, sinnlicher Bühnenkunst und klarer Perspektive macht den Theaterabend auch für Familien, Schulklassen und kulturinteressierte Jugendliche besonders eindrucksvoll.
Ein Auftragswerk mit gesellschaftlicher Verantwortung
familienalbum.karlsruhe ist eine Kooperation mit dem Digitaltheater. Die Produktion wird aus Projektmitteln für Kinder- und Jugendtheater durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gefördert. Die Aufführungsrechte liegen beim S. Fischer Verlag.
Das Badische Staatstheater macht mit dieser Arbeit sichtbar, wie Erinnerungskultur auf der Bühne lebendig bleibt. Die Geschichte der Familie Fuchs verbindet Karlsruher Lokalgeschichte mit einer universellen Frage: Wie bewahren Menschen ihre Würde, wenn ihnen Heimat und Sicherheit genommen werden?
Fazit: Geschichte wird zum unmittelbaren Bühnenerlebnis
Das Publikum erwartet eine konzentrierte, bildstarke und historisch fundierte Inszenierung über Familie, Flucht und die Kraft des Erinnerns. familienalbum.karlsruhe lädt dazu ein, Geschichte nicht nur zu betrachten, sondern sie im gemeinsamen Theaterraum zu erleben. Wer die Verbindung von dokumentarischem Theater, Schauspielkunst und zeitgeschichtlicher Bildung sucht, findet in der INSEL einen Abend von nachhaltiger Wirkung.
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