Cinderella im Badischen Staatstheater: Ein Märchenballett über Heimat und Befreiung


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Wenn zwei Heimatlose im Tanz zueinanderfinden
Ein vertrautes Märchen erhält im Badischen Staatstheater Karlsruhe eine bewegende neue Gestalt: Mit Cinderella kreiert die Hauschoreografin Kristina Paulin ihr erstes abendfüllendes Werk für das Badische Staatsballett. Am 6. November 2026 öffnet sich im Großen Haus ein Bühnenraum zwischen Alltag und Zauber, in dem Cinderella und der Prinz nicht nur einander, sondern auch ein Stück Heimat entdecken.
Ein Märchen über Fremdsein und Befreiung
Cinderella lebt im eigenen Zuhause wie an einem fremden Ort. Arbeit, Demütigung und die Härte von Stiefmutter und Stiefschwestern bestimmen ihren Alltag. Auch der Prinz bleibt in der Welt des Palastes gefangen: Regeln, Pflichten und Erwartungen entfernen ihn zunehmend von sich selbst. Die Dramaturgie der Inszenierung verschiebt damit den bekannten Märchenfokus. Im Zentrum steht nicht allein die Verwandlung durch Magie, sondern die befreiende Kraft einer Begegnung.
Kristina Paulins zeitgenössische Choreografie
Kristina Paulin verbindet die Körperbeherrschung des klassischen Balletts mit der expressiven Energie des modernen Tanzes. Ihre Regie lässt bekannte Figuren neu lesbar werden und führt die Publikumsreaktion über märchenhafte Bilder hinaus zu einer emotionalen Auseinandersetzung mit Klassismus, Ausgrenzung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Die Inszenierung bleibt dabei fest im Erzählkern der Fassungen von Charles Perrault und den Brüdern Grimm verankert.
Opulentes Bühnenbild und lebendige Klangwelt
Das Bühnenbild von Sebastian Hannak und die Kostüme von Bregje van Balen schaffen eine opulente Theateratmosphäre, in der soziale Gegensätze sichtbar werden. Zwischen häuslicher Enge und höfischer Ordnung entsteht ein sinnlich wandelbarer Spielraum. Die Badische Staatskapelle begleitet das Ballett live unter der musikalischen Leitung von Daniel Carlberg. Sergej Prokofjews Musik entfaltet dabei ihre Gegensätze aus Schwermut, tänzerischer Leichtigkeit und pointiertem Gestenreichtum.
Ein Abend für Familien und Ballettliebhaber
Die Aufführung richtet sich an ein breites Publikum ab acht Jahren und verbindet große Bühnenkunst mit einer zugänglichen Märchenerzählung. Die Vorstellung beginnt um 19:30 Uhr, zuvor findet um 19:00 Uhr eine Einführung statt. Die Aufführungsdauer reicht bis etwa 22:00 Uhr und umfasst eine Pause. Inhaltliche Hinweise betreffen Tod, Klassismus, Beleidigungen und Mobbing; auf der Bühne kommen außerdem flackernde Lichteffekte, Nebel und Hintergrundmusik zum Einsatz.
Fazit: Ein Märchenballett mit moderner Seele
Cinderella verspricht ein intensives Bühnenerlebnis zwischen klassischer Märchenpoesie, zeitgenössischer Tanzsprache und live gespielter Orchestermusik. Wer erleben möchte, wie eine vertraute Geschichte durch präzise Dramaturgie, ausdrucksstarke Schauspielkunst des Körpers und eine empathische Inszenierung neue Bedeutung gewinnt, findet im Großen Haus einen Abend voller Bewegung, Licht und Hoffnung.
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